EVS Kongress 2026 in Oostende
Eröffnung des Kongresses durch den Präsidenten Simon Rijsdijk
Meine Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freunde,
zunächst möchte ich mich herzlich beim Bürgermeister von Ostende für die herzliche Gastfreundschaft dieser wunderschönen Stadt am Meer bedanken.
Ostende ist eine Stadt mit Charakter.
Eine Stadt des Windes und des Wassers.
Eine Stadt, in der Menschen kommen und gehen.
Eine Stadt der Begegnung, der Kultur und der Geschichte.
Vor allem aber: eine Stadt der Menschen.
Ich begrüße Sie alle herzlich zum Jahreskongress des EVS.
Ein besonderer Gruß gilt Michel Montini, Präsident des Internationalen Rates für Zusammenarbeit (ICCS), und Nicolas Nord, Generalsekretär des ICCS. Wir freuen uns sehr über Ihre Anwesenheit.
Bei unseren Treffen als EVS sprechen wir oft über Gesetzgebung, Register, Systeme, Dokumente, Verfahren und internationale Zusammenarbeit. Heute möchte ich jedoch mit dem Menschlichen beginnen…
Maarten Pylyser von der Stadt Ostende und stellvertretender Vorsitzender der Bürgerkammer Flandern und ich teilen eine große Leidenschaft für Arno Hintjens. Sie haben ihn gehört, als ich die Bühne betrat.
Arno Hintjens war ein legendärer belgischer Musiker und Künstler, bekannt als „Arno“. Seine Wurzeln lagen hier in Ostende, und seine Verbundenheit mit dieser Stadt war sehr stark. Ostende war für ihn seine Heimat. Das Musizieren gab Arno Energie. Energie, die das Publikum in vollen Zügen genoss. Mit geschlossenen Augen war es kaum zu erkennen, dass ein todkranker Künstler während seiner letzten Konzerte auf der Bühne stand. Seine Stimme hatte nichts von ihrer Lebensfreude eingebüßt. Frei von jeglichem Schnickschnack, reduziert auf das Wesentliche, nur begleitet von Klavier und Gitarre. Arno Hintjens war Ehrenbürger der Stadt Ostende.
Arno vereinte Chanson und Rock. Roh und gefühlvoll zugleich.
Lokal verwurzelt und doch universell verständlich. Und genau das trifft auch auf unsere Arbeit zu.
Denn was uns verbindet – trotz all unserer unterschiedlichen Sprachen, Systeme und Traditionen – ist, dass wir alle an den wichtigsten Momenten im Leben der Menschen mitwirken.
Wir registrieren Geburten.
Wir registrieren Eheschließungen.
Wir registrieren Sterbefälle.
Wir schützen Namen.
Wir erfassen Familienverhältnisse.
Wir geben Menschen Rechtssicherheit.
Letztendlich geht es um die Würde des Menschen.
Konkret bedeutet das, dass ein Kind eine Identität erhält.
Dass eine Ehe anerkannt wird.
Dass Familien Sicherheit haben.
Dass die Menschen durch den Rechtsstaat geschützt sind.
Und deshalb ist unsere Arbeit nicht rein administrativ.
Unsere Arbeit ist grundlegend!
Wir bilden die Basis und das Fundament für das Funktionieren der Regierung.
Ohne ordnungsgemäße Registrierung…
ohne sorgfältige Prüfung der rechtlichen Sachlage…
ohne ein verlässliches Standesamt…
…keine ordnungsgemäße Umsetzung von Gesetzen und Verordnungen.
Wir sind die Wächter unserer Gesellschaften.
Und das bringt Verantwortung mit sich.
Liebe Freunde,
für mich war der EVS immer mehr als eine Organisation.
Der EVS ist eine Gemeinschaft von Fachleuten.
Aber auch eine Gemeinschaft von Freundschaften.
Wir treffen uns auf Konferenzen.
Wir lernen voneinander.
Wir entdecken die Länder, Kulturen und Traditionen der anderen.
Und manchmal entstehen dort Freundschaften fürs Leben.
Das ist die Stärke Europas.
Nicht nur Verträge. Nicht nur Institutionen.
Sondern Menschen, die einander begegnen.
Europa entsteht durch Begegnung!
Deshalb steht ein Schlüsselwort im Mittelpunkt meiner heutigen Rede:
Ein starkes Europa.
Ein starkes Europa, das seine Werte schützt.
Ein starkes Europa, das Rechtssicherheit gewährleistet.
Ein starkes Europa, das die Menschenwürde in den Mittelpunkt stellt.
Und gerade in diesen Zeiten ist das wichtiger denn je.
Wir leben in einer Zeit geopolitischer Spannungen.
Von Migrationsströmen.
Von Identitätsfragen.
Von der digitalen Transformation.
Vom zunehmenden Druck auf demokratische Institutionen. Genau deshalb müssen wir uns fragen:
Wofür steht Europa?
Europa steht für Rechtssicherheit.
Europa steht für Menschenwürde.
Europa steht für demokratische Institutionen.
Europa steht für Zusammenarbeit zwischen Ländern statt Spaltung.
Und ja, wir sollten auch genauer definieren, was Europa stark macht:
In Europa glauben wir nicht, dass alles allein vom Markt gelöst werden muss.
In Europa glauben wir nicht, dass Menschen ausschließlich Konsumenten sind.
In Europa glauben wir, dass der Staat die Verantwortung für den Schutz seiner Bürger trägt.
Das unterscheidet uns von den Vereinigten Staaten von Amerika!
Wir glauben an Gemeinwohlwerte.
Wir glauben an Solidarität.
Wir glauben an den Menschen.
Und genau deshalb ist unsere Arbeit so wichtig.
Denn Personenstandsregister und Bevölkerungsregister bilden das Fundament dieser Gemeinwohlwerte.
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
gleichzeitig stehen wir vor wichtigen Entscheidungen.
Wir können uns für die vollständige Digitalisierung entscheiden.
Oder wir bleiben beim Papier. Doch die eigentliche Frage lautet nicht: entweder oder.
Die eigentliche Frage lautet: Wie bewahren wir das Beste aus beiden Welten?
Die Digitalisierung bietet Schnelligkeit.
Effizienz.
Internationale Zusammenarbeit.
Bessere Dienstleistungen.
Aber auch Papier bietet etwas:
Historisches Gedächtnis.
Authentizität.
Menschliche Nähe.
Greifbarkeit.
Deshalb müssen wir beides bewahren.
Nicht Technologie gegen Menschen, sondern Technologie im Dienste der Menschen.
Nicht Systeme im Mittelpunkt, sondern die Bürgerinnen und Bürger im Mittelpunkt.
Letztendlich geht es um Vertrauen.
Konkret bedeutet das, dass die Menschen sich auf eine verlässliche Regierung verlassen können müssen – digital und menschlich.
Und wenn Sie das erkennen…
…dann wissen wir, was zu tun ist.
Wir müssen also weiterhin in die Zusammenarbeit investieren.
In den Wissensaustausch.
In Standards.
In Qualität.
In Europa.
Und genau deshalb ist ein starker EVS so wichtig.
Denn die Probleme, vor denen wir stehen, machen nicht an Landesgrenzen halt.
Internationale Familien. Denken Sie nur an …
Migration.
Dokumentenanerkennung.
Digitale Identität.
Betrugsbekämpfung.
Kein Land kann das allein lösen.
Deshalb brauchen wir einander.
Deshalb brauchen wir Europa.
Deshalb brauchen wir den EVS.
Liebe Freunde,
dieser Kongress ist auch für mich persönlich etwas Besonderes.
Ich hatte das Privileg, viele Jahre als Vizepräsident und Präsident des EVS zu dienen.
Und dafür bin ich zutiefst dankbar.
Dankbarkeit für die Begegnungen.
Dankbarkeit für die Gespräche.
Dankbarkeit für all die Menschen, die ich kennenlernen durfte.
Ich hatte das Privileg, so viele verschiedene Kulturen zu entdecken.
So viel europäisches Erbe zu erleben.
An so vielen wunderbaren Kongressen an besonderen Orten in Europa teilzunehmen.
Aber vor allem nehme ich die Freundschaften mit.
Denn letztendlich sind es die Menschen, die den Unterschied machen.
Deshalb möchte ich Ihnen heute auch mitteilen, dass ich aufgrund meines Ruhestands am 1. Juni 2026 als Präsident des EVS zurücktreten werde.
Gestern hat die Generalversammlung beschlossen, Steve Heylen zum neuen Präsidenten des EVS zu ernennen.
Und wie wunderbar ist es doch, dass dies während eines Kongresses in seinem Heimatland geschieht.
Steve und ich kennen uns seit vielen Jahren.
Und in diesen Jahren hat sich eine besondere Freundschaft entwickelt.
Ich habe großes Vertrauen in Steve Heylen.
Steve ist ein Ausnahmetalent.
Ein Netzwerker.
Und ein großer Verfechter der europäischen Idee.
Ich bin überzeugt, dass er den EVS mit Weitblick, Energie und Überzeugung führen wird.
Damit ist die Zukunft des EVS in besten Händen.
Nachdem Steve nun vom Vizepräsidentenamt zum Präsidenten wechselt, hat die Generalversammlung gestern auch beschlossen, Renzo Galvigioni aus Italien, Präsident von ANUSCA, zum neuen Vizepräsidenten des EVS zu ernennen. Auch damit gehen wir einen wichtigen Schritt in Richtung einer starken Zukunft für unseren Verband.
Liebe Freunde,
ich möchte Ihnen allen danken.
Vielen Dank, dass ich Ihnen viele Jahre als Präsident des European Associaton of Registrars dienen durfte.
Vielen Dank für Ihr Vertrauen.
Vielen Dank für Ihre Kollegialität.
Vielen Dank für Ihre Freundschaft.
Ich wünsche Ihnen – und unserer wunderbaren europäischen Zusammenarbeit – alles Gute für die Zukunft.
Lassen Sie uns weiterhin ein starkes Europa aufbauen.
Ein Europa der Zusammenarbeit.
Ein Europa der Rechtssicherheit.
Ein Europa der Menschenwürde.
Ein Europa, in dem wir uns weiterhin begegnen.
Vielen Dank!

